1953 Weihe des neuen Kirchengebäudes

VI. Kirchweihe und erste Jahre an neuer Stelle

Am 1. März 1953 ist es dann soweit. Wenn auch der Fußboden und die Beleuchtung in der Kirche noch fehlen und das Seitengebäude - der ehemalige Pferdestall - noch umgebaut werden muss, die Weihe der Erlöserkirche kann erfolgen Noch immer ist der Einsatz von Alfred Eremitaggio bewundernswert der tags auf dem Grundstück arbeitete, z.B. aus alten Badewannen Dachrinnen bastelte und des Nachts als Lokführer Güterzüge fuhr.

Fußnoten dieser Zeit:
Eine Glühlampe zu 100 Watt wurde auf dem Schwarzmarkt für 100 Mark besorgt.
Wir beantragten Holz zu kaufen um Stühle anfertigen zu lassen. Dies wurde abgelehnt. Gleichzeitig gab man uns ein Holzkontingent zum Bau von Kirchenbänken.

Am 1. März 1953, morgens 8:15 Uhr versammelte sich die Gemeinde noch einmal im alten Predigtsaal in der Klarastraße 43, um mit Lob und Dank von der alten Stätte Abschied zu nehmen, in der über 48 Jahre lang die frohe Botschaft verkündet wurde Dann formierte sich die Festgemeinde und zog zum etwa 5 Minuten entfernten neuen Gotteshaus "Erlöserkirche" , zur Dresdner Str. 111a, wobei - wie heute noch - die Klarastraße als Eingang zur Kirche benutzt wurde.

Dem Zug voran liefen 3 weiß gekleidete Jungfrauen deren Mittelste auf einem Kissen den neuen Kirchenschlüssel trug. Ihnen folgten der damalige Superintendent Haase und der emeritierte Superintendent Georgi, zusammen mit dem Architekten K. Gerlach und dem Gemeindepastor Willy Bräutigam . (v r )

Und so präsentierte sich die Erlöserkirche damals:
Ein schlichter Altar mit Kreuz, eine betont kräftig gebaute Kanzel (im Gemeindejargon "Esse" genannt und ein Taufstein. Rechter Hand fand das Harmonium der ersten Jahre wieder seinen Platz.

Der damalige Pastor Willy Bräutigam schreibt in einem Bericht "Wir kamen uns in den neuen Räumen vor wie die Träumenden. Endlich keine drangvolle Enge, keinen Luftmangel und kein peinlicher Platzmangel mehr. Die Weihepredigt stand unter dem Wort: 1.Mose 28,17: "Wie heilig ist diese Stätte. Die Gemeinde erfreute sich am Posaunenchor der Landeskirchlichen Gemeinschaft und am Gemeindechor. Außerdem durchflutete ein Sopransolo der Schwester IlIgen "Dem Herrn sei dieses Haus geweiht" klar und rein den Raum.

Am Nachmittag der Einweihung feierten reichlich 400 Teilnehmer. Es gab viele Grußworte u.a. auch von der ev.luth. Trinitatisgemeinde, der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der Ev. Allianz Chemnitz. Schon damals wurde die Aufnahme der Erlöserkirche in das Programm der Allianzgebetswoche vorgesehen.

In der Abend Schlussfeier so wird berichtet, hat Pastor Tautorat einer der führenden Seelsorger der Gemeinde geäußert, dass er von einer umgebauten Scheune nicht viel erwartet hatte, aber nun doch "runde Augen " bekommen habe, als er die fertige Kirche betrachten konnte.
Aber die erste wirklich wichtige Tat nach der Eröffnung am 01. März 1953 war eine einwöchige Evangelisation wie die letzte Seite des Eröffnungsprogramms beweist.
In der Folgezeit stagnierte das Gemeindewachstum und in der weiteren Folge der DDR nahm sogar die Zahl der Glieder, Angehörigen und Kinder beständig ab.

Jedoch noch war 1953 nichts davon zu spüren. Die Jugendgruppe war stark und führte im ganzen Erzgebirgskreis ein Theaterstück über den Pestpfarrer von Annaberg auf.
Vieles wurde gemeinsam unternommen, Ausflüge und Wanderungen, viele Fotos gibt es dazu im Archiv.

In dieser Zeit blieb die Gemeinde nicht von politischer Beeinflussung verschont. So berichtet Ruth Gersel vom Geschehen zu den Volkskammerwahlen 1958: "Die Hausgemeinschaften der Stadt hatten sich "verpflichtet" bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vollständig die Kandidaten der Nationalen Front (andere Kandidaten gab es gar nicht) gewählt zu haben. Dieser subtile Gruppenzwang wurde angewendet um ein möglichst gutes Wahlergebnis vorweisen zu können.

Familie Landmann aber ging nicht zur Wahl. Es kamen die Helfer schon mittags um auf dieWahl hinzuweisen. Ruth Gersels Eltern jedoch sagten offen, sie haben schon gewählt, nämlich den Herrn Jesus Christus. Ruth, damals noch Landmann, sagte: "Ich mache von meinem Wahlrecht keinen Gebrauch. Da sind sie wieder abgezogen. Aber man musste vorsichtig sein was man sagte. denn es hätte auch gefährlich werden können"


Interessant ist auch nebenstehender Verkündigungsplan von Arthur Medler (Gemeindevorsteher) über die Predigtdienste in den Filialen, die von uns aus bedient wurden.

VII. Gemeindeleben bis 1968

Hans Jürgen Lippert erinnert sich an seine Zeit in den 50er und frühen sechziger Jahren:
"Wir hatten mehrere Chöre, so zum Beispiel den Töchterchor unter Leitung von Johanna Grothe-Helbig, deren hoher Gesang mitunter "recht schmerzhaft" war.

Der gemischte Chor wurde damals (1953) noch von Arthur Medler geleitet, später von Manfred Drummer, bevor ich ins Wasser geworfen wurde. Da ich ja einige musikalische Vorbildung hatte, musste ich bald das Orgelspiel übernehmen Doch zuerst spielte ich die Orgel nur im Kindergottesdienst, die damals noch das Orgel-Pedalharmonium, später einen Röhren-Elektronik-Orgel war. Das war eine zweimanualige Ionika von 1967, aber das Gerät war durch die Röhren temperaturabhängig. In der Kälte brachte das Teil keine Bässe und ich musste eine Höhensonne drunterstellen, damit es zum Gottesdienst überhaupt einigermaßen erträglich klang.
Der Kindergottesdienst fand damals noch nach dem normalen Gottesdienst statt.
Es begann 11: 00 Uhr und dauerte gut eine Stunde Zuerst wurde die Lektion in der ganzen Gruppe erteilt und dann je nach Altersgruppen in kleinen Gruppen vertieft. Damals arbeiteten noch Elfriede Eremitaggio, Ruth Landmann und viele andere mit."